Finanzielle Gewalt

Fachkräfte sensibilisieren – Betroffene stärken
Finanzielle Gewalt ist eine häufig übersehene Form geschlechterspezifischer Gewalt. Sie zeigt sich in der Kontrolle über Geld, dem Verhindern beruflicher Entwicklung oder der Nötigung zu Schulden und Bürgschaften.
Für Fachkräfte in sozialen Berufen ist es entscheidend, diese Dynamiken zu erkennen – und Betroffene gezielt zu begleiten.
Was ist finanzielle Gewalt?
Finanzielle Gewalt beginnt dort, wo wirtschaftliche Abhängigkeit gezielt herbeigeführt, ausgenutzt oder zur Machtausübung eingesetzt wird.
Sie entwickelt sich häufig schleichend und bleibt lange unerkannt – auch von Fachkräften in Beratung, Sozialarbeit und Bildung.
Typische Muster sind:
- Ausschluss von Kontoinformationen und finanziellen Entscheidungen
- Kontrolle über alltägliche Ausgaben
- Verhinderung / Einschränkung von Erwerbstätigkeit
- Nötigung zu Bürgschaften oder Schuldenübernahme
- Vorenthalten von Unterlagen im Trennungsverfahren
In vielen Fällen häuslicher Gewalt spielt finanzielle Kontrolle eine Rolle – dennoch wird sie von Betroffenen wie Fachkräften häufig nicht als Gewalt eingeordnet.
Fortbildungen für Fachkräfte
Seit 2016 führt Dr. Birgit Happel Fortbildungen zur Sensibilisierung von Fachkräften in sozialen Einrichtungen und Bildungskontexten durch. Finanzielle Gewalt ist dabei seit 2022 ein eigener Schwerpunkt – mit Fachtagen, Referaten und Kooperationen mit Beratungsstellen und Frauenhäusern.
Die Angebote umfassen:
- Grundlagenwissen zu finanzieller Gewalt, Abhängigkeitsdynamiken und strukturellen Ursachen
- Fallarbeit und Praxisreflexion anhand typischer Beratungssituationen
- Handlungsstrategien zur Begleitung betroffener Frauen auf dem Weg zur finanziellen Selbstbestimmung
- Vernetzung mit relevanten Unterstützungsangeboten und Anlaufstellen
Die Fortbildungen können als Inhouse-Angebot oder im Rahmen von Fachtagen gebucht werden.
Forschungsprojekt:
Finanzielle Gewalt sichtbar machen
Gemeinsam mit dem iff – institut für finanzdienstleistungen e.V. untersuchen wir im Auftrag der TARGOBANK Stiftung erstmals systematisch die Dynamiken finanzieller Gewalt in Deutschland. Das Projekt läuft von Februar 2026 bis Mai 2027.
Im Mittelpunkt stehen:
- Qualitative Interviews und Fokusgruppen mit Fachkräften und Betroffenen
- Aufarbeitung des nationalen und internationalen Forschungsstands
- Entwicklung praxisnaher Handlungsempfehlungen
Die Ergebnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung unserer Fortbildungsangebote ein.
In Kürze verfügbar
Aus dem Forschungsprojekt entstehen zwei niedrigschwellige Angebote für die Praxis:
Digitale Handreichung – Theoretische Grundlagen, Praxisbeispiele und konkrete Handlungsempfehlungen für Fachkräfte
Podcast-Reihe mit Anissa Brinkhoff – Vier Folgen zu zentralen Aspekten finanzieller Gewalt
Hintergrund und Stellungnahme
Anlässlich des Internationalen Frauentags 2024 haben das iff Hamburg und Geldbiografien® gemeinsam auf den Forschungsbedarf hingewiesen. Die Stellungnahme finden Sie hier.
Weiterführende Informationen zum Thema – einschließlich Anlaufstellen für Betroffene – finden Sie auf Geldbiografien.de.
In den Medien
Im April 2026 berichtete der NDR in der Sendung Das Rote Sofa über finanzielle Gewalt in Beziehungen und interviewte das Projektteam.
